Das österreichische Arbeitszeitgesetz (AZG) gibt es seit 1969. Eine umstrittene Reform 2018 hob die täglichen und wöchentlichen Höchstgrenzen (von 10/50 auf 12/60) und erweiterte den Spielraum der Arbeitgeber, ohne die Grundlinie 8/40 anzutasten. Das Ergebnis ist ein Zwei-Schichten-System: normale Arbeitswoche und absolute Höchstgrenze, mit Kollektivverträgen, die in der Praxis das meiste regeln.
Dieser Beitrag erklärt, was das AZG heute verlangt, wie die Reform 2018 die Obergrenzen verschoben hat, wie die Aufzeichnungspflicht nach § 26 aussieht und wie die Arbeitsinspektion durchsetzt.
Timesheet kostenlos testen
30 Tage kostenlos testen. Keine Kreditkarte erforderlich.
Kurzübersicht
| Regel | Wert | Fundstelle |
|---|---|---|
| Normalarbeitszeit täglich | 8 Stunden | § 3 Abs. 1 AZG |
| Normalarbeitszeit wöchentlich | 40 Stunden | § 3 Abs. 1 AZG |
| Höchstarbeitszeit täglich | 12 Stunden (inklusive Überstunden) | § 9 AZG |
| Höchstarbeitszeit wöchentlich | 60 Stunden (im Schnitt 48 über 17 Wochen) | § 9 AZG |
| Tägliche Ruhezeit | 11 Stunden zusammenhängend | § 12 AZG |
| Wöchentliche Ruhezeit | 36 Stunden zusammenhängend | § 3 ARG |
| Ruhepause | 30 Minuten bei mehr als 6 Stunden Tagesarbeitszeit | § 11 AZG |
| Mindesturlaub | 5 Wochen (25 Arbeitstage), ab 25 Dienstjahren 6 Wochen | Urlaubsgesetz |
| Aufbewahrungsfrist Aufzeichnungen | Mindestens 1 Jahr laut Arbeitsinspektion (24 Monate für Lenker, 2 Jahre für Jugendliche) | Arbeitsinspektion; § 17b AZG; § 26 KJBG |
Das Zwei-Schichten-System
Die Grundlinie (§ 3)
8 Stunden täglich, 40 Stunden wöchentlich, dieselbe Zahl seit 1975. Viele Kollektivverträge senken das weiter: Metallindustrie, Banken und Versicherungen 38,5; Sozialwirtschaft (SWÖ-KV) 37 Stunden.
Alles über der Normalarbeitszeit sind Überstunden. Dafür gebühren 50 Prozent Zuschlag oder entsprechender Zeitausgleich (§ 10); Kollektivverträge können für Sonntage und Nachtstunden mehr vorsehen.
Die absolute Obergrenze (§ 9)
Die Reform 2018 hob die absoluten Höchstgrenzen:
- Täglich: 12 Stunden (vorher 10)
- Wöchentlich: 60 Stunden (vorher 50)
Die 12/60-Grenze ist die rechtliche Obergrenze. Seit 2018 dürfen Arbeitgeber bei erhöhtem Arbeitsbedarf Überstunden bis dorthin anordnen, höchstens aber 20 Überstunden pro Woche, und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit darf in einem Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen 48 Stunden nicht überschreiten (§§ 7 und 9; der Kollektivvertrag kann den Zeitraum auf bis zu 52 Wochen verlängern).
Beschäftigte dürfen Überstunden über 10 Tages- oder 50 Wochenstunden ohne Angabe von Gründen und ohne Nachteil ablehnen.
Ruhezeiten
Tägliche Ruhezeit (§ 12)
11 ununterbrochene Stunden nach Ende der Tagesarbeitszeit. Der Kollektivvertrag kann sie auf 8 Stunden verkürzen, wenn die Verkürzung innerhalb von 10 Kalendertagen ausgeglichen wird; für geteilte Dienste im Gastgewerbe und für Schichtwechsel gibt es eigene Verkürzungen (§ 12 Abs. 2 bis 2c).
Wöchentliche Ruhezeit
Geregelt im Arbeitsruhegesetz (ARG), nicht im AZG. 36 zusammenhängende Stunden einschließlich des Sonntags (Wochenendruhe, § 3 ARG). Wo Wochenendarbeit erlaubt ist, etwa in Gastronomie, Gesundheitswesen, Verkehr oder Bewachung, gebühren stattdessen 36 Stunden, die einen ganzen Wochentag einschließen (Wochenruhe, § 4 ARG). Für Arbeit während der wöchentlichen Ruhezeit steht in der Folgewoche Ersatzruhe zu (§ 6 ARG).
Ruhepausen (§ 11)
30 Minuten Ruhepause, wenn die Tagesarbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt. Teilbar in zwei 15-Minuten-Pausen oder drei 10-Minuten-Pausen, wenn das im Interesse der Beschäftigten liegt oder betrieblich notwendig ist; andere Teilungen sind nur per Betriebsvereinbarung oder, ohne Betriebsrat, mit Zulassung durch das Arbeitsinspektorat möglich.
§ 26: Die Aufzeichnungspflicht
Das ist das Herzstück des AZG für die Zeiterfassung. § 26 verlangt, dass Arbeitgeber je Beschäftigte:n und je Tag Aufzeichnungen führen über:
- Beginn und Ende der Arbeitszeit
- Ruhepausen, einschließlich deren Beginn und Ende
- Arbeit während der Wochenend-, Wochen-, Ersatz- oder Feiertagsruhe: Ort, Dauer und Art der Beschäftigung sowie die gewährte Ersatzruhe (§ 25 ARG)
Die Aufzeichnungen müssen:
- pro Beschäftigte:r und pro Tag geführt werden
- Beschäftigten auf nachweisliches Verlangen einmal monatlich kostenfrei übermittelt werden (§ 26 Abs. 8)
- der Arbeitsinspektion auf Verlangen vorgelegt werden
- laut Arbeitsinspektion mindestens 1 Jahr aufbewahrt werden (24 Monate für Lenker, 2 Jahre für Jugendliche)
Das AZG schreibt keine Form vor: Papier und elektronische Aufzeichnung sind beide möglich. Die Aufzeichnungen müssen die tatsächlich geleistete Arbeitszeit zeigen, ein Dienstplan allein reicht also nicht, und sie müssen in der Betriebsstätte einsehbar sein, bei Filialen vor Ort.
Vereinfachte Aufzeichnung
§ 26 sieht drei Möglichkeiten vor. Bei einer schriftlich festgehaltenen fixen Arbeitszeiteinteilung bestätigt der Arbeitgeber deren Einhaltung zumindest am Ende jeder Entgeltzahlungsperiode und zeichnet nur Abweichungen laufend auf (Abs. 5a). Wer Lage der Arbeitszeit und Arbeitsort weitgehend selbst bestimmt oder überwiegend in der eigenen Wohnung arbeitet, braucht nur Aufzeichnungen über die Dauer der Tagesarbeitszeit (Abs. 3). Bei Gleitzeit können die Beschäftigten selbst aufzeichnen; der Arbeitgeber leitet sie an und kontrolliert die Aufzeichnungen nach Ende der Gleitzeitperiode (Abs. 2).
Seit dem CCOO-Urteil des EuGH 2019 hat Österreich § 26 nicht geändert, und ob diese Möglichkeiten damit vereinbar sind, haben die Gerichte nicht entschieden. Stand Oktober 2026 führt die Arbeitsinspektion beide vereinfachten Formen weiterhin an. Für alle anderen gilt die volle Aufzeichnung von Beginn, Ende und Pausen.
Sondergruppen
Jugendliche (KJBG)
Das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz (KJBG) regelt Beschäftigte unter 18:
- 8 Stunden täglich, 40 wöchentlich
- 12 Stunden tägliche Ruhezeit
- Pflichtpause von 30 Minuten bei mehr als 4,5 Stunden Tagesarbeitszeit
- Nachtruhe von 20 bis 6 Uhr, mit Ausnahmen (etwa im Gastgewerbe bis 23 Uhr für über 16-Jährige)
Schwangere (MSchG)
Das Mutterschutzgesetz begrenzt Schwangere auf 9 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich. Überstunden sind verboten, Sonntags- und Nachtarbeit bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls. Konkrete Gefährdungsbeurteilungspflicht des Arbeitgebers.
Leitende Angestellte (§ 1)
Leitende Angestellte und sonstige Beschäftigte mit maßgeblicher selbständiger Entscheidungsbefugnis fallen ganz aus dem AZG heraus, also auch aus der Aufzeichnungspflicht nach § 26, wenn ihre Arbeitszeit nicht gemessen oder im Voraus festgelegt wird oder sie Lage und Dauer selbst festlegen können (§ 1 Abs. 2 Z 8).
All-in-Verträge
Eine in Österreich übliche Vereinbarung: Der Vertrag nennt ein höheres Bruttogehalt, eine Klausel besagt, dass damit alle Überstunden abgegolten seien. Das ist zulässig, unter Bedingungen:
- Der Vertrag muss das Grundgehalt betragsmäßig ausweisen; fehlt die Angabe, gebührt das branchen- und ortsübliche Ist-Grundgehalt (§ 2g AVRAG, seit 2016)
- Die "All-in"-Summe muss die tatsächlich geleisteten Überstunden abdecken, andernfalls schuldet der Arbeitgeber zum Jahresende eine Nachzahlung (Deckungsprüfung)
- Die Aufzeichnungspflicht nach § 26 AZG bleibt bestehen; die All-in-Klausel ersetzt nicht das Überstunden-Logbuch
Ohne saubere Aufzeichnungen haben Arbeitgeber wenig gegen die Forderung von Beschäftigten in der Hand, das All-in-Gehalt habe nicht ausgereicht. Ist die tatsächliche Arbeitszeit wegen fehlender Aufzeichnungen nicht zumutbar feststellbar, sind Verfallsfristen für solche Ansprüche gehemmt (§ 26 Abs. 9 AZG).
Inspektion und Strafen
Die regionalen Arbeitsinspektorate kontrollieren und zeigen Übertretungen an, unter der Leitung des Zentral-Arbeitsinspektorats im Arbeitsministerium; die Strafen verhängt die Bezirksverwaltungsbehörde. Strafen nach § 28 AZG:
| Verstoß | Strafe |
|---|---|
| Standardverstoß gegen Arbeitszeit oder Ruhezeit | 72 bis 1.815 EUR pro Beschäftigte:r |
| Wiederholungsfall | 145 bis 1.815 EUR pro Beschäftigte:r |
| Fehlende oder mangelhafte § 26-Aufzeichnungen | 72 bis 1.815 EUR bei fehlenden, 20 bis 436 EUR bei mangelhaften Aufzeichnungen |
| Wiederholungsfall, wenn die Höchstarbeitszeit um mehr als 20 % überschritten wurde oder die tägliche Ruhezeit unter 8 Stunden lag | 218 bis 3.600 EUR pro Beschäftigte:r |
Verstöße gegen Arbeits- und Ruhezeiten werden für jede betroffene Person gesondert bestraft (Kumulationsprinzip, § 22 Abs. 2 VStG). Fehlende Aufzeichnungen werden ebenfalls pro Beschäftigte:r bestraft, wenn dadurch die tatsächlich geleistete Arbeitszeit nicht oder nur unzumutbar feststellbar ist (§ 28 Abs. 8). Ein Betrieb mit 50 Beschäftigten, dessen § 26-Aufzeichnungen fehlen, kann dann insgesamt bis zu rund 90.000 EUR Strafe riskieren.
Die Arbeitsinspektion veröffentlicht Tätigkeitsberichte. 2024 führten die Arbeitsinspektorate 56.423 Kontrollen durch und stellten 107.169 Übertretungen fest, die meisten im technischen und arbeitshygienischen Arbeitsschutz (8.086 betrafen den Verwendungsschutz, also etwa Arbeitszeit und Mutterschutz). Sie erstatteten 1.210 Strafanzeigen.
Praktische Compliance-Liste
- § 26-Aufzeichnungen täglich führen. Pro Beschäftigte:r, pro Tag, mit Beginn, Ende und Pausen. Mit einer Stempeluhr-App stempelt jede Person am eigenen Smartphone, Pausen laufen über die Pausentaste.
- Die passende Aufzeichnungsart je Person wählen. Fixe schriftliche Einteilung: bestätigen und Abweichungen erfassen; überwiegend Homeoffice oder selbstbestimmte Arbeitszeit: Dauer der Tagesarbeitszeit; alle anderen: Beginn, Ende und Pausen.
- Überstunden explizit dokumentieren. Nicht nur Stunden, sondern Anlass: angeordnet, freiwillig, Notfall.
- Deckungsprüfung bei All-in-Verträgen jährlich. Zum Jahresende Ist-Überstunden mit der All-in-Abdeckung vergleichen.
- Aufbewahrung mindestens 1 Jahr, sicherheitshalber 7 Jahre. Die Arbeitsinspektion verlangt mindestens 1 Jahr (das AZG selbst nennt keine allgemeine Frist); 7 Jahre entsprechen der getrennten Aufbewahrungspflicht für steuer- und lohnrechtliche Unterlagen (§ 132 BAO).
- 11-Stunden-Ruhezeit einplanen. Besonders nach einem 10- bis 12-Stunden-Tag.
Häufige Fragen
Ist der 12-Stunden-Tag jetzt Standard? Nein. Die tägliche Normalarbeitszeit beträgt grundsätzlich 8 Stunden; 12 Stunden sind die absolute Obergrenze einschließlich Überstunden, und Stunden über 10 dürfen abgelehnt werden.
Kann ich Überstunden über 10 Stunden ablehnen? Ja. Beschäftigte können Überstunden über 10 Tagesstunden und 50 Wochenstunden ohne Nachteil ablehnen.
Gilt die vereinfachte Aufzeichnung für Telework? Teilweise. Wer überwiegend in der eigenen Wohnung arbeitet, braucht nur Aufzeichnungen über die Dauer der Tagesarbeitszeit (§ 26 Abs. 3). Einzelne Homeoffice-Tage ändern an der normalen Aufzeichnungspflicht nichts.
Gibt es Branchenregeln? Mehrere Branchen haben Sonderbestimmungen: Gesundheit, Verkehr, Gastronomie. Den jeweiligen Kollektivvertrag prüfen. Wie Betriebe im Gesundheitswesen Arbeitszeiten und Pausen digital dokumentieren, zeigt die Mitarbeiter-Zeiterfassung für Gesundheitsdienstleister.
Was, wenn die Person leitende Angestellte ist? Dann gilt das AZG für sie gar nicht, also weder die Arbeitszeitgrenzen noch die Aufzeichnungspflicht nach § 26. Die Ausnahme erfasst nur echte leitende Angestellte, deren Arbeitszeit nicht gemessen oder festgelegt wird oder die sie selbst bestimmen.
Zusammenfassung
- AZG legt 8/40 als Grundlinie fest, Kollektivverträge senken häufig
- Reform 2018 hob die Höchstgrenze auf 12/60, bei durchschnittlich höchstens 48 Stunden über 17 Wochen
- Tägliche Ruhezeit 11 Stunden, wöchentliche 36 Stunden (überwiegend Sonntag)
- § 26 verlangt tägliche Aufzeichnungen pro Beschäftigte:r
- Erleichterte Aufzeichnung gilt für fixe Einteilungen sowie für überwiegendes Homeoffice und selbstbestimmte Arbeitszeit
- Arbeitsinspektion setzt durch; Strafen pro Beschäftigte:r und pro Verstoß
- All-in-Verträge zulässig, jährliche Deckungsprüfung erforderlich
Quellen
- Arbeitszeitgesetz (AZG) auf ris.bka.gv.at
- Arbeitsruhegesetz (ARG) auf ris.bka.gv.at
- Arbeitsinspektion: Tätigkeitsberichte
- Arbeitsinspektion: Aushang und Aufzeichnung der Arbeitszeit
- Mutterschutzgesetz, KJBG, AVRAG relevante Stellen
Wie geht es weiter
- Zeiterfassung in Österreich nach § 26 AZG als kompakte Übersicht, welche Anforderung welche Funktion abdeckt
- Digitale Zeiterfassung für Mitarbeiter für die Umsetzung im Team: Beginn, Ende und Pausen pro Person und Tag, per App und im Web
- Zeiterfassung für Kleinbetriebe wenn Sie zwischen Stundenzettel, Stempeluhr und App wählen
- Das Arbeitszeitgesetz und die Pflicht zur Zeiterfassung für die deutsche Schwester-Regelung
- Die Schweizer Arbeitsgesetz-Regeln zur Arbeitszeit als drittes DACH-Land
- Die EU-Arbeitszeitrichtlinie erklärt für den europäischen Rahmen